Die EU ist sich der strategische Bedeutung der Ukraine bewusst: zu einem wegen der günstigen strategischen Lage zwischen Europa und Asien: Auf Grund seiner geographischer Lage ist das Land eine „natürliche Transitbrücke“ Über das ukrainische Territorium verlaufen 4 paneuropäische Transportkorridore. Die Ukraine verfügt über ein relativ gut entwickeltes Verkehrsnetz. Es sind alle Transportarten vertreten: Eisenbahn, Schiffart, Luftverkehr.
Zum anderem wegen ihrer Position als „Energiebrücke“ von Asien nach Europa – Rund um 90% der russischen Gaslieferungen nach Westeuropa fließen durch die Ukraine.
Und zum dritten wegen ihrem überdurchschnittlichen Wirtschaftspotenzial.
Was die Beziehungen zwischen EU und Ukraine betrifft, so kann man diese als wohlwollend bezeichnet. Angesichts der aktuellen Ereignisse ist zu erwarten, dass diese sich weiter vertiefen werden.
Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in der Ukraine stellt ein anhaltend gesteigertes Interesse deutscher Unternehmen am ukrainischen Markt fest.
Der ukrainische Markt ist für deutsche Unternehmen, egal ob groß oder klein, mindestens in zweierlei Hinsicht attraktiv: Zum einen als Absatzmarkt: mit 50,5 Millionen Einwohnern. Auch die Kaufkraft steigt stark an: Das real verfügbare Einkommen der ukrainischen Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren um durchschnittlich 6,5% gestiegen. Das ist nicht schnell, sondern auch deutlich schneller als in den mittel- und osteuropäischen Ländern, deren gesamtwirtschaftliche Kaufkraft mit jährlichen Wachstumsraten von um die 4% wächst.
Zum anderen ist die Ukraine attraktiv als Produktionsstandort: Unternehmen, die am Standort Ukraine produzieren, profitieren von extrem niedrigen Arbeitskosten und dem guten Ausbildungsniveau der ukrainischen Arbeitnehmer (was übrigens alle dort tätige deutschen Firmen besonders unterstreichen). Die Arbeitskosten pro Stunde von 0,88 Euro in der Ukraine liegen auf dem Niveau von China mit 0,79 Euro und damit deutlich niedriger als in Mittel- und Osteuropa. In Ungarn beispielsweise ist der durchschnittliche Arbeiter mit derzeit 5,03 Euro knapp sechsmal so teuer wie in der Ukraine.
Der Einkommensteuersatz beträgt in der Ukraine 13% und zählt damit zu den niedrigsten in Europa.
Eine Verlagerung von arbeitsintensiven Wertschöpfungsstufen in die Ukraine erscheint also zu Recht attraktiv –und zwar nicht nur für die auf den ukrainischen Markt ausgerichtete Produktion. Einige Firmen produzieren längst nicht nur für den ukrainischen Markt. Etwa 50% der ukrainischen Produktion werden ins westliche Ausland vermarktet.
So dürfte die Ukraine beispielsweise in den kommenden Jahren für die deutsche Automobilzulieferindustrie als Produktionsstandort zunehmend bedeutsam werden.
Der Markt bietet große Chancen und die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Reformpolitik der ukrainischen Regierung zeigt Ergebnisse und macht heute Investitionen leichter als früher.
Seit Herbst 2002 konnten bereits einige wichtige politische und wirtschaftliche Reformen auf den Weg gebracht werden (die Freigabe der Preise, die Wiederaufnahme der Privatisierung, die Liberalisierung des Außenhandels u. a.)
Außerdem gibt es gemeinsame Strukturen der Ukraine und Deutschland zur Förderung von wirtschaftlichen Beziehungen glücklicherweise in ausreichender Zahl.
Darüber hinaus bildet sich eine deutliche Nachfrage ukrainischer Unternehmen nach Maschinen, Ausrüstungsgütern, und deutschen Dienstleistungen und Know-how. Außerdem besteht ein hoher Investitions- und Modernisierungsbedarf. Die deutsche Wirtschaft hat in der Ukraine ein gutes Image - oft besser als in anderen Teilen der Welt - und wir sollten jetzt unsere Chancen wahrnehmen.
Marktwirtschaftlicher Status für die Ukraine (02.12.2005 )
Am 01.12.2005 wurde durch die EU beim Dialog EU-UKRAINE ein Marktwirtschaftsstatus für die Ukraine gewährt.
Der EU-Vorsitzende, Jose Manuel Durao Barroso, hat auf einer Pressekonferenz in Kyiv bekannt gegeben, dass die Ukraine den Status als Marktwirtschaftsland durch die EU erhalten hat.
Die Ukraine hat die wichtigsten fünf Voraussetzungen für diesen Status erfüllt, so der britische Premierminister Tony Blair auf der Pressekonferenz in Kyiv.
Die praktische Einführung dieses Status wird noch ein bis zwei Monate dauern, so der Präsidenten der Ukraine, Viktor Juschtschenko.
Quelle: Kyiv-2005